„Wenn Götter fallen“ – Theaterwerkstatt der Wigbertschule begeistert zum Doppeljubiläum

Beitrag von Martin Veltum

Mit langanhaltendem Applaus, beeindruckender Bühnenkunst und einer mitreißenden Eigenproduktion feierte die Theaterwerkstatt der Wigbertschule ihr 50-jähriges Bestehen – eingebettet in das 125-jährige Jubiläum der Wigbertschule.

Die Aula verwandelte sich dabei in einen atmosphärischen Theatersaal voller Kreativität, Ausdruckskraft und schauspielerischer Intensität.

Schon beim Betreten wurde deutlich: Hier wartete kein gewöhnlicher Schulabend auf die Gäste.

Dank optimal abgestimmter Licht- und Tontechnik der Technik-AG entstand eine professionelle Theateratmosphäre, die das Publikum unmittelbar in den Bann zog. Interaktive Szenen und starke Bühnenpräsenz sorgten für große Begeisterung.

Am Mittwoch hatte Schulleiterin Sandra Möllers die Gäste begrüßt, die zweite Aufführung am Donnerstag eröffnete Lehrerin Kristin Suppelt, Vorsitzende des Fördervereins der Theaterwerkstatt. Beide würdigten die lange Tradition und den besonderen Stellenwert der Theaterarbeit an der Wigbertschule.

In ihrer Ansprache erinnerte Kristin Suppelt an die Anfänge der Theaterwerkstatt: Bereits 1976 entstand die Idee durch die Lehrerin Christine van Endert-Saillet, ehe 1977 mit „Antigone“ von Jean Anouilh die erste Aufführung auf die Bühne gebracht wurde.

Fast zwanzig Jahre später übernahm Arnold Pfeifer die Leitung und prägte die Theaterwerkstatt über mehr als zwei Jahrzehnte mit Klassikern und zahlreichen Eigenproduktionen.

Außerdem verwies Kristin Suppelt auf die Ausstellung mit historischen Fotos, Aufführungslisten und Stimmen ehemaliger Mitglieder, die die beeindruckende Geschichte der Theaterwerkstatt dokumentiert.

Besonders hob sie hervor, dass die Theaterarbeit weit über die Schulzeit hinauswirke und ehemalige Mitglieder bis heute von Mut, Gemeinschaft und persönlicher Entwicklung durch das Theater berichten.

„Mich hat sehr gefreut, dass zu beiden Aufführungen ehemalige Spielerinnen und Spieler der Theaterwerkstatt gekommen sind. Das zeigt, wie sehr diese Gemeinschaft über viele Jahre hinweg verbindet“, sagte Kristin Suppelt.

Sie erinnerte außerdem an die besondere Geschichte der Theaterwerkstatt, die seit 1977 besteht und damit die älteste Arbeitsgemeinschaft der Wigbertschule ist.

Seit fast fünf Jahrzehnten arbeiten hier Schülerinnen und Schüler von Klasse 7 bis zum Abitur gemeinsam an Theaterprojekten. Unterstützt wird die AG seit 1995 durch einen eigenen Förderverein.

Auch die Vertretung der Schulleitung würdigte die besondere Leistung der Theatergruppe. Stellvertretender Schulleiter Matthias Leibold sowie Fachbereichsleiterin Dr. Katja Müller zeigten sich beeindruckt und bewegt von der Qualität der Aufführung und dem kulturellen Beitrag der Theaterwerkstatt für die gesamte Schulgemeinschaft.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Eigenproduktion „Der Olymp“. Das Stück entführte das Publikum an einen sagenumwobenen Ort voller mächtiger Götter und mystischer Wesen.

Doch im Olymp ist nichts so vollkommen, wie es zunächst scheint: Ein Aufstand erschüttert den Götterhimmel – und plötzlich finden sich die Götter auf der Erde wieder. Dort müssen sie lernen, mit einer völlig neuen Realität umzugehen.

Mit viel Humor, Tiefgang und aktuellen gesellschaftlichen Anspielungen setzte sich die Inszenierung mit menschlichen Schwächen, Selbstüberschätzung und dem Zeitgeist auseinander. Theaterpädagogin und AG-Leiterin Lina Gemming entwickelte das Stück gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern.

„Diese Produktion ist vollständig aus der Gruppe heraus entstanden. Wir haben viel improvisiert, Szene für Szene entwickelt und gemeinsam Ideen gesammelt. Umso schöner ist es zu sehen, mit welcher Hingabe und Kreativität die Schülerinnen und Schüler ihre Rollen auf die Bühne gebracht haben“, erklärte Lina Gemming.

Besonders hob sie die Leistung der jungen Darstellerinnen und Darsteller hervor: „Die Wertschätzung, die das Publikum den Schülerinnen und Schülern entgegengebracht hat, war überwältigend. Hinter jeder Szene steckt unglaublich viel Arbeit, Mut und Teamgeist.“

Neun Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 8 bis 13 arbeiten jeden Freitagnachmittag an den Produktionen der Theaterwerkstatt. Von der ersten Idee bis zur fertigen Aufführung entsteht alles in gemeinsamer Arbeit.

Zuschauer Lothar Brehl zeigte sich von der Aufführung beeindruckt: „Das Stück war äußerst aufschlussreich und greift auf kreative Weise auf, wie Menschen sich oft selbst überschätzen. Gerade dieser Bezug zum heutigen Zeitgeist wurde eindrucksvoll dargestellt. Eine großartige Aufführung.“

Am Ende wurde deutlich: Die Theaterwerkstatt ist weit mehr als eine AG. Sie ist ein lebendiger Teil der Schulkultur der Wigbertschule – kreativ, mutig und generationenübergreifend. Das Publikum dankte den Mitwirkenden mit großem Applaus und stehenden Ovationen.

Schulleiterin Sandra Möllers zeigte sich im Gespräch mit dem Rhönkanal tief beeindruckt: „Was mich besonders berührt, ist der Mut, den die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler jeden Tag aufs Neue beweisen.

Sie steigen auf eine Bühne, zeigen sich verletzlich, stark, komisch und nachdenklich – und das alles vor einem großen Publikum. Das braucht echten Charakter. Diese Schule ist stolz auf diese Gruppe.“

Sie hob hervor, dass die Theaterwerkstatt weit mehr biete als nur schauspielerische Bildung: „Hier lernen junge Menschen, füreinander Verantwortung zu übernehmen, sich in andere hineinzuversetzen und gemeinsam etwas zu schaffen, das allein niemand erreichen könnte. Das ist gelebte Persönlichkeitsentwicklung.“

Auf der Bühne standen: Leni Wiedelbach (8G2), Jette Trott (10L), Ida Wehner (10L), Marie Siebert (10L), Tolga Güngör (Q2), Victoria Hohmann (Q2), Leon Kolbe (Q2), Jonathan Ballmeier (Q4) und Laurenz Müller (Q4).

Mit ihrer Jubiläumsproduktion bewies die Theaterwerkstatt eindrucksvoll, warum sie seit 50 Jahren eine feste kulturelle Größe an der Wigbertschule und in der Stadt Hünfeld ist.